Reise durch Europa

Reisen macht glücklich

Die Zweifel kamen schleichend. Mit jedem Jahr, das ich älter wurde. Mit jedem Morgen, den ich die Kinder weckte und sie keine Lust auf den Tag hatten. Mit jedem Winter, der nicht enden wollte. Sollte das das Leben sein, von dem ich mit Anfang 20 träumte? Früher war ich durch die Welt gereist, unerschrocken, voller Vertrauen und Neugier. Jetzt mit 40 war ich auf einmal vorsichtig geworden. Der Alltag hatte uns fest im Griff. Kindergarten, Schule, die Klassenarbeiten, Zeugnisse, meine Schichten beim Radio, hin und wieder Reportagen, die mich zumindest für kurz in eine andere Welt brachten. 

Soll das alles gewesen sein?

Lange Reisen hatten wir schon lange nicht mehr gemacht. Am Anfang waren die Kinder zu klein gewesen. Autofahrten konnten sie gar nicht leiden. Und so beschränkten sich unsere Urlaube auf Bauernhöfe in Südtirol (die ich über alles liebe) und auf Besuche bei den Großeltern. Dann kam Corona. Reisen war nicht mehr möglich, ich fühlte mich eingesperrt. Als die Zeit vorbei war, wurden meine Zweifel noch größer. Sollte das alles gewesen sein? Sollte unser Alltag nur noch aus dem Hinfiebern auf Ferien werden? Die Mietkosten wurden auch immer höher. Nur noch arbeiten, um zu wohnen? War das die Lösung? Oder sich verschulden und ein Eigenheim bis zum Ende unseres Lebens abbezahlen? 

Der Traum von der großen Reise

Und dann waren da diese Bücher in der Gemeindebücherei Bernried. Mein Zufluchtsort in dem kleinen Dorf, in dem wir wohnten. Hier kam ich immer zur Ruhe, plauderte mit den Damen über Neuerscheinungen und fand wahre Schätze. Zum Beispiel ganz rechts in der Abteilung Reise. Ich las alles, was ich fand. Von Menschen, die durch Tibet gewandert waren, von Seglern, die alle Weltmeere bezwungen hatten, von Pilgern und Träumern. Schließlich von Familien, die es gewagt hatten. Die ihren Alltag unterbrochen hatten und ein Jahr auf Reisen gegangen waren. Ich recherchierte im Internet und fand einige Familien, die das machten. Auch mit schulpflichtigen Kindern. Könnte das vielleicht eine Möglichkeit für uns sein? Ich ließ die Bücher zu Hause auf dem Sofa liegen. Auch Patrick las sie. Die Kinder blätterten durch die Bilder, fanden das spannend.

Betablocker für den Alltag

Eine Freundin aus München erzählte mir, dass die Mütter aus ihrem Umkreis nur noch mit Betablockern ihren Alltag überstanden. Auch ich spürte den Stress zunehmend, hatte oft Herzrasen und hin und wieder Panik. Dann bekam ich unfassbare Kopfschmerzen mit Sehstörungen. Die Ärztin schickte mich in die Röhre. Voller Angst lag ich im Kernspin. Als ich herauskam und der Arzt mir sagte, man habe nichts gefunden, fühlte ich mich wie wiedergeboren. Auch Patrick musste in den Kernspin, wegen unerklärlicher Nackenschmerzen. Auch bei ihm gab es eine harmlose Erklärung. Stress. Einfach nur Stress.

„Und wenn wir das einfach auf Reisen gehen?“, fragte ich eines Mittags. Es war Juni und wir saßen um den großen Esstisch. „Ja," sagte Patrick einfach nur. Das war der Anfang. Jetzt sind wir seit fünf Monaten unterwegs und haben es keine Minute bereut. 

Endlich unterwegs für ein Jahr

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Reisen und Speisen