Reisen und Speisen
Unser Plan ist so einfach wie genial. Wir reisen und essen. Denn die Küche eines Landes sagt so viel mehr aus über ein Land als jedes Geschichtsbuch. Warum essen die Menschen wie sie essen? Diese Frage beschäftigt Patrick und mich schon lange. Wir haben ein Buch über regionale Lebensmittel geschrieben, haben ein Jahr lang nur das gegessen, was vor unserer Haustüre wächst. Jetzt weiten wir die Forschungen aus auf ganz Europa.
Am Strand von Holland atmen wir durch.
Los geht unsere Reise in Holland. Wir sind erschöpft von den vorherigen Wochen. Haus ausräumen und Sachen unterstellen haben uns viel Kraft gekostet. In Zeeland ruhen wir uns aus, treffen meine ganze Familie und stellen mal wieder fest: Die besten Pommes gibt es nur hier. Und zwar im Nachbardorf Groede in der Frituur „Cafetaria De Zagerij“. Die nette Bedienung erklärt uns warum: „Wir frittieren die Pommes zwei Mal. Beim ersten Mal werden sie gar, dann lassen wir sie ein paar Stunden ruhen. Das zweite Mal kommen sie erst dann ins Fett, wenn die Kunden sie bestellen.”
Und nicht irgendein Fett, Rindernierenfett muss es sein. Auch sonst wird alles ins Fett gelegt, Kabeljau, der Kibbeling heißt, Käse und natürlich die Frikandel, die niederländische Frikandelle, von der man lieber nicht wissen will, was alles drin ist. Als Alternative schlürfen wir Austern. Denn die besten Austern kommen aus Zeeland.
Frankreich
Didier lädt uns sein. Seine Champagner sind köstlich…
In Frankreich trinken wir Champagner und übernachten beim Winzer. Didier nimmt uns mit in die Weinberge. Er baut die drei klassischen Rebsorten für Champagner an: Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Die Kinder probieren die Trauben, wir blicken über die sanften Hügel. Dann entkorken wir einen Champagner nach dem anderen und erleben einen rauschenden Abend mit dem Winzer und seiner Frau. Im Burgund tuckern wir zwei Wochen mit einem Hausboot über den Canal du Centre und die Seille.
Wir essen Croissants und Baguette, probieren Schneckencréme und Froschschenkel. Außerdem hüten wir in der Provence Schafe bei Kai und kochen mit der wunderbaren Fabienne im L´artisane, einem ehemaligen Stall. Sie macht alles selber, backt Brot, pflückt die Kräuter in den Bergen, kocht ein und will das Wissen weitergeben: „Meine Philosophie ist es den Jahreszeiten zu folgen, denn die Natur gibt uns das, was wir brauchen. Zu jeder Zeit.“
Fabienne kocht mit uns im Schafstall. Ein magischer Ort.
Spanien
In Spanien bin ich in meinem Element. Vor zwanzig Jahren habe ich in Sevilla gelebt, ich spreche fließend spanisch und fühle mich sofort sauwohl. In der ersten Bar können wir uns nur schreiend verständigen. Das gesamte Dorf ist versammelt. Die Kinder essen ihr erstes Tostada con Jamon, getoastetes Brot mit Olivenöl, Tomaten und Schinken und wollen das ab jetzt nur noch bestellen. Bis sie churros con chocolate kennenlernen, ein Schmalzgebäck, das in dickflüssige Schokolade getaucht wird. Göttlich.
Wir übernachten im Castillo de Canena, einem Schloss, und dürfen bei der Olivenernte dabei sein. Die Oliven werden mit großen Rüttlern und Kämmen von den Bäumen gestreift. Drei Wochen sind wir in Andalusien. Durch Zufall entdecken wir Bodega de la Fonda, wo Rocio die besten Tapas von Marbella serviert. Ich darf einen Tag mit ihr in der Küche verbringen und sie verrät mir das beste Rezept für die Reina de la Tortilla, die Königin des Kartoffelomelettes.
Rocio macht die beste Tortilla in ganz Marbella
Portugal
In Portugal lernen wir Juan kennen. Er vermietet uns die Casa Bougainvillea. Sie liegt versteckt im Hügelland vom Alentejo. Wir blicken auf Korkeichen, Blumen und Berge. Juan kommt aus Spanien, hat schon die ganze Welt gesehen und die besten Tipps zum Essen. In der kleinen Markthalle von São Teotónio gibt es die leckersten Pasteixe de Nata. Dazu einen köstlichen Kaffee. In ganz Spanien hat der Kaffee nicht so gut geschmeckt. Auf dem Süßkartoffel-Festival von Aljezur erfahren wir alles über die Knolle. Die besten Batata Doce kommen hier aus der Gegend, es gibt zwölf Sorten und alle schmecken unterschiedlich. An der Atlantikküche entdecken wir in Azenha do Mar ein kleine Café und bestellen einfach alles. Salat vom Oktopus, frittierten Tintenfisch, und Patanisca, eine Art Oktopusomelette.
Unfassbares Essen, unfassbare Aussicht
Und im Dourotal auf dem Weingut Quinta da Pacheca kochen wir mit Koch Cristof vier Vorspeisen, vier Hauptspeisen und einen Nachtisch. „Wenn ihr bei meiner Mutter zu Gast wärt, dann wärt ihr jetzt drei Tage satt.”
Italien
Und dann sind wir endlich in Italien. Was haben wir uns auf das Land gefreut, von kochenden Nonnas und Pastaglück geträumt. Doch der Anfang in Sizilien ist holprig. Es ist eiskalt, überall liegt Müll, die Gegend um Palermo ist heruntergekommen. Wir fliehen an den Ätna und lernen wunderbare Menschen kennen. Kochbuchautorin Cettina Vicenzino zum Beispiel, die uns ganz viel über die sizilianische Küche verrät. Über die wichtige Rolle der Aubergine, die in der Caponata verarbeitet wird oder die Pasta alla Norma benannt nach der Oper des Komponisten Bellini. Oder Salvatore, der mit Meerwasser kocht und uns mit zum Käsemacher nimmt. Die Kinder formen ihren eigenen provolo.
Schwertfisch, Salami, Zitronen: Bei Salvatore schmeckt alles gut.
Wir fahren nach Catania, essen Fisch Streetfood, sehen Schwertfische auf den Märkten und entdecken die schönste Buchhandlung der Stadt mit Naturweinbar. Auch Syrakus begeistert uns. In der Osteria Terra Mia essen wir zwanzig verschiedene Antipasti.
Nach zwanzig Vorspeisen kommt die Pasta…
Ihr merkt, es gibt so viel zu berichten und entdecken von der Reise. Weitere Erlebnisse und eine Karte findet Ihr auf unserem Blog: www.travelandtaste.world