Schluss mit Instagram
Ich habe es tatsächlich getan: Ich habe Instagram vom Handy gelöscht. Das war nicht leicht. Denn ich dachte immer, ich muss mitmachen. Reichweite generieren. Für unsere Bücher und unseren Podcast. Unsere Reise abbilden. Doch immer häufiger beschlichen mich Zweifel. Warum muss ich jeden Moment meines Lebens knipsen?. „Brauchst du wieder ein Hochformat für Insta?“ fragt mich meine 11jährige Tochter. Und ich nicke. Gequält. Ich bin ohnehin schon zu häufig am Handy.
Einfach mal lesen. Ohne Handy. Das habe ich viel zu lange nicht gemacht.
Manchmal lag ich nachts wach und habe Posts entworfen, die ich nie veröffentlicht habe. Ich konnte nicht schlafen, hatte Magenschmerzen. Die Reise muss doch dokumentiert werden, die Leute wollen Bilder sehen. Von Italien, von Spanien, von Griechenland. Jeder Post kostete mich mindestens 45 Minuten. Ich dachte stundenlang über die Texte nach, witzig und geistreich sollten sie sein. Und dann funktionierte wieder etwas nicht, die Bilder wurden abgeschnitten, die Schrift war zu klein. Und ich hätte heulen können. Dauernd wurde mir Werbung angezeigt, wie ich mich verbessern könnte. Mehr Likes bekommen. Tausend Follower in einem Monat. Instagram funktioniert nach Regeln, die ich nicht verstehe und die auch nichts für mich sind.
Ohne Insta geht es auch.
Außerdem sah ich dauernd anderen Leuten beim Leben zu, verglich mich ständig. Warum schaffen diese Frauen das, was ich nicht schaffe? Warum sieht bei anderen alles immer so leicht aus, so perfekt? Ich habe mein eigenes Leben oft darüber vergessen. Dabei verwirkliche ich gerade meinen eigenen Traum, bin unterwegs mit meiner Familie, reise. Und da schaue ich zu, wie andere ihren Bauernhof renovieren, in tollen Retreats absteigen und die neuste Achtsamkeitspraxis zelebrieren? Wirklich?
Mein Leben ist schön.
Und die Zeit, die ich dadurch verloren habe. Mal eben auf Instagram, fünf Profile checken und schon sind 25 Minuten vergangen. Das zweimal am Tag ist fast eine Stunde. Eine Stunde, in der ich mit meinen Kindern spielen oder mich hinsetzen und Bücher schreiben könnte. Doris Dörrie erzählt in dem Podcast „Alles gesagt“ sie habe früher, als ihre Tochter klein war, immer wenig Zeit zum Schreiben gehabt. Also habe sie geschrieben, während das Pastawasser kochte. Zehn Minuten. Ohne abzusetzen. Daraus sind ganze Bücher entstanden. Zehn Minuten! Die habe ich jetzt locker, seit ich die App gelöscht habe.
Podcasts und Radioreportagen: Die machen mir Spaß.
Ich erzähle weiter Geschichten. Aber nicht als Reel oder Live oder Karussell. Für den Reiseblog auf www.travelandtaste.world stehe ich jeden Morgen freiwillig im Dunkeln auf, mache mir einen Kaffee und schreibe über unsere Erlebnisse. Auch hier auf www.storymacherin.de wird jetzt einiges passieren. Ich freue mich drauf. Hört gerne in meine Podcasts rein. Das sind die Formate, die ich liebe und kann. Und Instagram? Dreht sich auch ohne mich weiter.